200 Personen waren am 1. Juni zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über den neuen Standort am Tirolerhof in das Kulturzentrum gekommen. Und die Gegner des Projektes – sie waren durch eine satte Mehrheit vertreten - ließen keinen Zweifel; das Projekt Neubau des Landesheimes Schwedenstift ist unerwünscht. Die Gründe für die Ablehnung sind vielfältig und reichen vom Hinweis auf den Villencharakter, über Hinweis auf die Lärm- und Verkehrsbelastung bis zur Furcht vor der Entwertung der Grundstücke. Bürgermeister Schuster (ÖVP) und Gemeinderat Claus Herza (SPÖ) betonten, dass sie Verständnis für die Sorgen der Anrainer haben. Beide meinten aber, dass möglich sein muss, den Schwedenstift im Ort zu behalten. Dies deshalb, weil er im Ort so gut integriert ist und zahlreiche freiwillige Helfer die Arbeit unterstützen. Der Aufbau dieses sozialen Netzwerkes hat viele Jahre gedauert und wäre bei der Absiedlung verloren.
Dr. Huber vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung unterstrich die Notwendigkeit eines neuen Hauses und meinte, dass ein Ausbau des derzeitigen Gebäudes keine Lösung brächte. Das Grundstück am Tirolerhof sei ideal. Und weiters meinte er, wenn es keine Einigung gibt, wird das Land eben einen anderen Standort suchen, auch in einer anderen Gemeinde.
Am 24. Juni 1921 wurde das Schwedenstift am heutigen Standort als evangelisches Krankenhaus für Kinder feierlich im Beisein von Bundespräsidenten Dr. Michael Hainisch und dem schwedischen Gesandten eröffnet. Der Name Schwedenstift ist ein Dank an die schwedischen Bürger, die mit großzügigen Spenden die Errichtung und den Betreib ermöglichten. Der Name erfüllte auch die Forderung der Anrainer den Namen Krankenhaus zu vermeiden. Konzipiert war das Haus für 60 Kinder. Die meisten aufgenommen Kinder litten an der „Wiener Krankheit“ (Tuberkulose). 1926 wurde es vom Land Niederösterreich übernommen. Schon 1931 musste es wegen finanziellen Problems geschlossen werden und diente ab diesem Zeitpunkt nur mehr als Ferienheim.
Nach Kriegsende wurde es wieder ein Kinderkrankenhaus und 1949 wurde es ein Säuglingsheim. 1971 wurde es ein Pflegeheim für behinderte Kinder. Ursprünglich war das Alter der betreuten Kinder mit drei Jahren beschränkt, ist aber stufenweise auf 15 Jahre erhöht worden.
Heute werden im Pflegebereich nur mehr schwerst immobile Pflegefälle aufgenommen. Im sozialpädagogischen Bereich werden Kinder aus der Jugendwohlfahrt aufgenommen.