Weihhütereinzug 2010: Ein Fest mit Tradition wird UNESCO Kulturerbe und steht damit auf einer Stufe mit der Spanischen Hofreitschule.
Der Legende nach wird der Perchtoldsdorfer Hütereinzug seit 1422 gefeiert. Gesichert ist dieses Datum nicht, doch wurde im Jahr 1922 ein 500-Jahresjubiläum begangen. Von den Historikern wird von einem „überraschenden Jubiläum“ gesprochen, weil zu dieser Zeit die Entstehung mit 1683 (2. Türkenbelagerung) datiert wurde.
Unabhängig vom Ursprung gehört der Perchtoldsdorfer Hütereinzug zu den größten Erntedankfesten Österreichs, sicher aber zum berühmtesten Weihhauerfest Österreichs. Tausende Gäste aus nah und fern fanden sich auch diesmal am 7. November ein, um das großartige Spektakel zu genießen. Die Weingartenhüter, deren Aufgabe früher die Bewachung der Weingärten zur Zeit der Traubenreife war, feiern auch heute noch die gelungene Ernte.
Schon Wochen vor dem Fest werden Hüterhäuschen gereinigt, die weithin sichtbaren „Hüterbäume“ augestellt. Der Ablauf des Festes ist streng geregelt und der Weinbauverein als Nachfolger der alten Hauerzeche wacht streng darüber, dass die Vorbereitung, der Umzug und die Nachfeier der Tradition entsprechen.
Wesentlicher Bestandteil ist dabei der Umzug am Sonntag nach St. Leonhard (6. November). Traditionell beginnt er beim „Herbergsvater“, Franz Breitenecker, in der Elisabethstraße 20. Von dort begibt sich der festliche Zug –angeführt von drei Weinhütern auf Pferden – zum Festgottesdienst in der Pfarrkirche. Den drei Hütern folgen die Musik, die übrigen Hüter, der Träger der 75 kg schweren „Hiatapritschen“, die von einem kräftigen Hüter getragen wird und ständig gedreht werden muss. Danach folgen BGM mit den übrigen Mitgliedern des Gemeinderates und den zahlreichen Ehrengästen.
Nachdem Festgottesdienst wird dem Pfarrer ein Ständchen gebracht und danach begibt sich der Zug zum Rathaus, wo die berühmten Gestanzln (lustige Vierzeiler) gesungen werden. Dabei werden Bundespolitik, Landespolitik und Kommunalpolitik kritisch und lustig besungen. Aber auch der Hütervater und die Hütermutter (heuer Johann und Gertraude Neumayer, Sonnbergstraße 89) und die Weinhüter selbst werden besungen.
Vor allem die Ereignisse im Ort nehmen einen breiten Raum beim Gstanzlsingen ein. Diesmal waren es vor allem der Radunfall von Prälat Pfarrer Ernst Freiler und die dramatische finanzielle Situation der Gemeinde, die lustig besungen wurden.
Seit wenigen Wochen gehört der Perchtoldsdorfer Hütereinzug zum nationalen immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Ganz besonders glücklich darüber ist Franz Distl jun., Obmann des örtlichen Weinbauvereins, und ist überzeugt, dass die Verpflichtung zur Weitergabe des Brauchtums an die kommenden Generationen erfüllt wird. „Bei diesem Engagement unserer Haurer-Jugend“, meint er, „ist das kein Problem“. Denn das Fest ist gelebtes und nicht gespieltes Brauchtum.